Meine Schwester war vor vierzehn Jahren verschwunden … Und dann, als wir nach dem Tod unseres Großvaters seine Sachen ausräumten, fiel unter seiner Matratze ihre Unterwäsche mit aufgestickten Blumen hervor 😨
Nach dem Tod unseres Großvaters vergingen fast drei Wochen, bevor unsere Familie sich endlich dazu entschloss, sein Haus auszuräumen.
Unser Großvater hieß Robert. Er hatte mehr als vierzig Jahre in diesem Haus gelebt und fast nie etwas weggeworfen. In den Schränken lagen alte Zeitungen, Medikamentenschachteln, Briefe, Fotos und Kleidung, die er seit Jahrzehnten nicht mehr getragen hatte.
An diesem Tag fuhr ich zusammen mit meinem Onkel Mark dorthin. Meine Mutter wollte ebenfalls helfen, wurde aber bei der Arbeit aufgehalten.
— Lass uns zuerst das Bett raustragen — sagte mein Onkel. — Die Matratze müssen wir sowieso wegwerfen.
Wir gingen in das Schlafzimmer unseres Großvaters. Das Zimmer war sehr staubig. Die Vorhänge ließen kaum Licht herein.
Wir packten die Matratze von beiden Seiten und hoben sie hoch. In diesem Moment fiel etwas auf den Boden. Zuerst verstand ich nicht einmal, was es war.
Ein kleines Stück rosa Stoff. Ich beugte mich hinunter und hob es auf. Es war eine Damenunterhose. Alt, verblasst, mit kleinen aufgestickten Blumen an der Seite.
— Was ist das denn? — fragte mein Onkel überrascht.
Doch ich hörte ihm schon nicht mehr zu. Ich starrte auf die Stickerei.
Ich war erst vier Jahre alt gewesen, als meine ältere Schwester Laura verschwand. Ich konnte mich kaum an sie erinnern, aber bei uns zu Hause standen Dutzende Fotos von ihr.
Und auf einigen dieser Fotos trug Laura Kleidung, auf die sie selbst genau solche Blumen gestickt hatte. Unsere Mutter hatte ihr das beigebracht. Ein Blütenblatt war bei ihr immer etwas länger als die anderen.
Ich hatte dieses Muster Hunderte Male gesehen.
— Die gehört Laura — sagte ich leise.
Mein Onkel lächelte zunächst ungläubig.
— Das kannst du nicht wissen.
— Doch, kann ich.
Er betrachtete den Stoff noch einmal. Und sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Vor vierzehn Jahren war Laura sechzehn gewesen. Sie verschwand im Juli. An diesem Tag hatte sie unserer Mutter gesagt, dass sie sich mit einer Freundin treffen wollte. Gegen vier Uhr nachmittags verließ sie das Haus und kehrte nie wieder zurück.
Die Polizei suchte mehrere Wochen nach ihr. Wälder, der Fluss und Busbahnhöfe wurden durchsucht. Überall wurden Fotos aufgehängt. Nachbarn wurden befragt. Doch man fand nichts.
Unser Großvater hatte damals mehr geholfen als jeder andere. Er fuhr mit den Freiwilligen zu den Suchaktionen, druckte Flugblätter und bot sogar eine Belohnung für jeden Hinweis an.
Und die ganze Zeit über hatte ein Kleidungsstück von Laura unter seiner Matratze gelegen.
— Leg das wieder zurück — sagte mein Onkel plötzlich.
Ich sah ihn an.
— Was?
— Fass nichts mehr an. Wir rufen die Polizei.
Jetzt bemerkte ich, dass auch er Angst hatte. Zwanzig Minuten später kam meine Mutter. Als sie unseren Fund sah, begannen ihre Hände zu zittern. Einige Sekunden lang starrte sie auf die kleinen Blumen, dann setzte sie sich auf die Kante eines Stuhls.
— Die habe ich zusammen mit ihr gestickt — flüsterte sie.
Danach rührten wir im Zimmer nichts mehr an. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass noch am selben Abend etwas so Schreckliches über unsere Familie ans Licht kommen würde, dass wir alle völlig unter Schock stehen würden. 😳😰 Die Fortsetzung der Geschichte findet ihr im ersten Kommentar 👇👇
Die Polizei kam noch am selben Abend. Das Haus wurde versiegelt. Die Ermittler nahmen die Matratze, die Kleidung und mehrere Kisten aus dem Schrank mit.
Doch das Wichtigste fanden sie zwei Tage später. Hinter dem alten Schrank im Schlafzimmer entdeckten sie eine Holzplatte, die sich von den anderen unterschied.
Als sie sie entfernten, kam dahinter ein kleines Versteck zum Vorschein. Darin lagen Fotos von Laura, ihr Armband aus der Schulzeit, ein alter Kamm und mehrere Briefe.
Einer dieser Briefe veränderte alles. Laura selbst hatte ihn geschrieben.
In dem Brief schrieb sie, dass der Großvater sie dazu zwang, ein bestimmtes „Familiengeheimnis“ zu bewahren, und ihr drohte, dass ihrer Mutter etwas Schlimmes passieren würde, falls sie jemandem davon erzählte.
Doch das war noch nicht das Schlimmste. Die Ermittler überprüften Telefonaufzeichnungen, alte Zeugenaussagen und die Unterlagen des Großvaters.
Dabei stellte sich heraus, dass ein Nachbar am Tag von Lauras Verschwinden das Auto des Großvaters in der Nähe eines verlassenen Hauses mehrere Kilometer außerhalb der Stadt gesehen hatte.
Vor vierzehn Jahren hatte niemand dieser Aussage besondere Bedeutung beigemessen. Der Großvater hatte der Polizei gesagt, dass er an diesem Tag überhaupt nicht das Haus verlassen habe.
Eine Woche später fuhren die Ermittler zu diesem verlassenen Haus.
Dahinter befand sich ein alter Brunnen, der seit Jahren mit Holzbrettern verschlossen war. Als die Bretter entfernt wurden, fand man darin menschliche Überreste. Die Untersuchungen dauerten fast einen Monat.
Es war Laura.
Die Ermittler rekonstruierten, was in jener Nacht geschehen war. Laura wollte ihrer Mutter erzählen, dass der Großvater sie jahrelang missbraucht hatte. Sie hatte ihm gedroht, dass sie nicht länger schweigen würde.
Der Großvater versuchte, sie aufzuhalten. Zwischen den beiden kam es zu einem Streit. Er schlug das Mädchen, und sie verlor das Bewusstsein.
Aus Angst vor den Konsequenzen brachte er sie zu dem alten Haus und versteckte ihren Körper im Brunnen. Danach kehrte er nach Hause zurück und begann bereits am nächsten Tag gemeinsam mit allen anderen nach seiner „verschwundenen Enkelin“ zu suchen.
Vierzehn Jahre lang beteiligte er sich an der Suche nach einem Menschen, dessen Schicksal er von Anfang an kannte. Doch von einer Sache konnte er sich aus irgendeinem Grund nicht trennen: von jener rosa Unterhose mit den kleinen Blumen.
Vielleicht hatte er sie als Erinnerung aufbewahrt. Vielleicht hatte er aber auch einfach Angst, dass jemand sie im Müll finden könnte. Der Großvater starb, ohne jemals ein Geständnis abzulegen.
